UKRAINE: Imperialismus und die Folgen

Klarstellung: dies ist mein persönlicher Versuch der Erklärung zu dem was gerade in der Ukraine passiert. Ich erhebe keinen Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit meiner Gedanken. Ich lasse mich – in einer Diskussion – auch gerne von anderen Aspekten beeinflussen, sofern sie schlüssig sind. Ich beharre nicht darauf, dass stimmt, was ich hier schreibe. Ich bin überzeugt davon, dass der demokratische Gedanke Grundlage von Freiheit, Würde und Unverletzlichkeit des Menschen sind. Ich sage nicht, dass die aktuell bestehende repräsentative parlamentarische Demokratie (ich beziehe mich dabei auf die Republik Österreich) die beste und einzig wahre ist. Auch bin ich einem der Gründungsgedanken der früheren EWG verhaftet: Zusammenarbeit, gegenseitigen Respekt und Verflechtung verhindert Krieg in Europa. Wenn es nach mir ginge würde ich diesen sogar auf die gesamte Welt erweitern. Aber auch hierbei sage ich nicht, dass die EU oder die UNO gut so sind, wie sie sind. Ich sage einzig, dass nur „demokratisches, ausgewogenes und von Empathie getragenes Denken und Handeln“ dauerhaft Frieden sichern kann.

Definition von Imperialismus und Geschichte des Imperialismus vor 1900

Wikipedia: "Als Imperialismus (von lateinisch imperare „herrschen“; imperium „Weltreich“; etwa bei Imperium Romanum) bezeichnet man das Bestreben eines Staatswesens bzw. seiner politischen Führung, in anderen Ländern oder bei anderen Völkern politischen und wirtschaftlichen Einfluss zu erlangen, bis hin zu deren Unterwerfung und zur Eingliederung in den eigenen Machtbereich. Typischerweise geht das damit einher, eine ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.[1] 
Der Begriff Imperialismus umfasst mehr als Kolonialismus und muss deshalb vor allem von Kolonisierung getrennt werden. Edward Said sieht beim Imperialismus „die Praxis, Theorie und die Benehmensregeln eines dominierenden städtischen Zentrums gegenüber einem regierten fernen Territorium“, der Provinz. Said zufolge sei Kolonisierung nicht mehr als die Besiedlung entfernter Länder. Robert J. C. Young stimmt dem insoweit zu, als Imperialismus aus dem Zentrum operiere, als staatliche Politik, während Kolonisierung nicht mehr als Siedlungs- oder Wirtschaftsentwicklung bedeute. Von der bewussten Politik der Machtprojektion und der Erweiterung von Regierungsgewalt auf verschiedene Territorien ist der weiter gefasste Begriff des Kulturimperialismus zu unterscheiden, wie auch der der kulturellen Hegemonie im Sinne Antonio Gramscis. 
Imperialismus wurde im Nachhinein auch für eine Reihe von antiken Großreichen angenommen. Der Begriff als solcher wurde im 16. Jahrhundert geprägt und galt damals als Negativbezeichnung für eine auf Militärmacht und Despotie –  im Gegensatz zum Rechtsstaat – basierende Herrschaft. Als eigentliches Zeitalter des Imperialismus gilt das späte 19. Jahrhundert, wozu auch die verschiedenen marxistischen Imperialismustheorien beitrugen." 
Kurz, sachlich und prägnant beschreibt Mirko Drotschmann in diesem Youtube-Video alle Aspekte des Imperialismus.

Imperialismus im 20. Jahrhundert

Hätte es die zwei Weltkriege nicht gegeben, so hätten immer noch Formen von Kolonialismus bestand. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts und spätestens nach dem 2. Weltkrieg gewinnen die meisten Kolonien ihre Selbstständigkeit. Die Kolonialherren haben nicht mehr genug Kraft und Ressourcen, um alle die bisher unterjochten Staaten weiterhin zu kontrollieren. Doch wie imperiale Staaten nun mal so orientiert sind wurden diese neuen Staaten alleine gelassen oder zwar entkolonialisiert, jedoch nicht vom „toxischen“ Machtstreben des Westens befreit.

Querverweise: das Ende des Kolonialismus

Da die Bevölkerungen in diesen Staaten bisher nur mit Unterdrückung, Versklavung, Willkür und Diktatur konfrontiert waren ging das Spiel in vielen Staaten weiter. Zwar jetzt durch die „eigenen Leute“ unter westlicher Regie, aber dennoch die selbe Musik. Viele Machthaber bereicherten sich indem sie mit den vorigen Kolonialherren kollaborierten.

Vereinzelt kam es dann doch zu Revolutionen und zu Putschen. Vereinzelt etablierten sich dann Systeme, die die Macht besonders der Briten, Franzosen und der US-Amerikaner im eigenen Land beschneiden wollten. Es kam zu Enteignungen, Steuern wurden erhoben oder gar manches verboten. Die wollten doch tatsächlich selbstständig einen eigenen Weg gehen. Fernab dessen, was der „Westen“ vorgab. Teilweise ging es sogar soweit, dass Sozialisten oder gar Kommunisten die politische Führung eines Staates übernahmen. Dies war besonders den USA ein Dorn im Auge. In den USA etablierte sich in manchen Kreisen das Bewusstsein die Welt vor Sozialismus und Kommunismus beschützen und befreien zu müssen.

In den USA herrschte viele Jahre eine regelrechte Hetzjagd auf alles, was irgendwie den Anschein machte soziale Ansätze zu verfolgen. Der bekannteste Kommunistenjäger war McCarthy. Daraus entwickelte sich eine weltweite Verfolgung auf alles was links der US-Regierung lag. Kaum ein Land der Welt wurde davon verschont. Auch nicht die europäischen Verbündeten.

Öl-Imperialismus

Der europäische Kontinent ist hungrig. Ebenso der nordamerikanische. Hungrig nach Rohstoffen und Waren. Hunger nach Macht. Gierig nach Reichtum.

Ein Rohstoff übertrifft sie alle: ÖL.

Öl wird für den technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt unverzichtbar. Das in Kombination mit der Doktrin, dass der Europäer allen anderen überlegen ist führte zu einer Katastrophe im Nahen Osten.

Zunächst im Iran(Persien), dann im Irak und Kuwait. Die dortigen Politiker, Fürsten,… werden systematisch über den Tisch gezogen. Es wird betrogen und gelogen. Und als sich manche das nicht mehr gefallen lassen wollten wurde per Geheimdienst geputscht.

verkürzt und satirisch aufbereitet wurde es von der Anstalt 2014 so:

die USA im Nahen Osten im 20.Jhdt

Imperialer Anspruch

Der Anspruch auf eine Führungsrolle, um die eigenen Interessen schützen zu müssen, als auch die der westlichen Welt verursachte in Afrika, Südamerika, Südostasien und im Nahen Osten verheerendes Elend, Hunger, Armut und Krieg. Die westliche Welt und deren Wirtschaft beuten Ressourcen aus, verdrängen heimische Strukturen und Wirtschaft, sorgen für Lohndumping und unterstützen Arbeit generell und Kinderarbeit im Speziellen unter verehrenden Bedingungen. Wissentlich. Bewusst. Absichtlich!

Der Anspruch durch Demokratie und Liberalismus die „Welt zu verbessern“ führte zu Diktaturen, Bürgerkriege und einen latenten Hass auf die USA und ihre Verbündeten.

US-amerikanischer Imperialismus und die Macht der Geheimdienste und Militärs

die Anstalt 2015

Die Weltpolizei USA richtet sein Augenmerk auf alles was den Interessen der US-amerikanischen Wirtschaft (und damit der Politik) entgegenläuft. Ich sage nicht, dass jede Intervention seit den Weltkriegen nicht auch humanitären Aspekten folgte, ich sage aber, dass ohne wirtschaftlichen oder politischen Interessen der humanitäre Aspekt nicht zählte und dann auch nicht interveniert wurde.

Dazu gibt es unzählige Beispiele. Ich greife dabei nur ein ganz typisches auf und lege es mit einem youtube video vom Kanal „simlicissimus“ dar:

Russischer Imperialismus

Den Großfürsten Russlands wurde schnell klar, dass sie, um nach Gebietserweiterung streben zu können sich gegen Osten wenden müssen, denn westlich ihres Gebietes war die Gegnerschaft zu zahlreich und zu wehrhaft.

Auszüge und Zitate aus:

DAS LETZTE IMPERIUM

01. Jan. 2019 von Alexander Abalow |Ekaterina Kusnezowa | Vladislav Inozemtsev

Auf den ersten Blick ähnelten sich die koloniale Expansion, die zur Errichtung des größten Kontinentalimperiums führte, und die Kolonisierung der Neuen Welt durch die Europäer auf verblüffende Weise. Am Ende des 15. Jahrhunderts, zu der Zeit, als Kolumbus nach Amerika segelte, begannen die Russen unter Prinz Kurbsky-Tscherny, Sibirien zu erobern. Etwa hundert Jahre später, im Jahr 1581, startete das Großfürstentum Moskau einen großen Angriff auf die einheimischen Stämme, der damit endete, dass die Krieger und Kosaken des Zaren 1644–1650 den Pazifik nahe der chinesischen Grenze und 1649 die Tschukotka-Halbinsel erreichten. Ebenso wie die Spanier in Mittel- und Südamerika, die Portugiesen in Brasilien, und die Briten und Franzosen in Nordamerika stießen die Moskowiter auf verstreut lebende Stämme, die ihnen in jeder Form der Kriegsführung unterlegen waren.

Genau zu der Zeit, als die Briten die ersten Ortschaften in den Gebieten gründeten, die später als die dreizehn Kolonien bekannt wurden, bauten auch die Moskowiter befestigte Siedlungen und Ortschaften, um ihre Herrschaft über die dünn besiedelten Gebiete zu festigen. Diese Expansion war in jeder Hinsicht eine typische europäische Siedlerkolonisierung. Zeitgenossen verglichen sie mit der spanischen Kolonisierung Amerikas und beschuldigten die Siedler schrecklicher Gräueltaten bei der Unterwerfung der einheimischen Völker. Sibirien war definitiv zur Kolonie des Großfürstentums Moskau geworden.

Nicht „Russland“, sondern das Großfürstentum Moskau expandierte

Die Vorstellung, es habe sich um eine „interne Kolonisierung“ gehandelt, die sich im imperialen Russland von der Zeit Nikolaus II. bis hin zu Putin großer Beliebtheit erfreute, führt in die Irre: Das, was im nördlichen Eurasien zwischen dem frühen 16. und dem späten 17. Jahrhundert geschah, war keine „interne Kolonisierung“ Russlands, sondern eine externe Expansion des Großfürstentums Moskau. Die weit verbreitete Vorstellung, es gebe im Inneren des riesigen russischen Imperiums einen Kern, der als Stammgebiet des russischen Volkes Russland genannt werden könnte, kam erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf.

Der komplexe Charakter der russischen imperialen Geschichte begründete ein weiteres zentrales Element des russischen Staatswesens. Da Russland seine Identität aus seinem Imperium bezog und die nationale Konsolidierung vernachlässigte, haben die Russen das Gefühl, ihr государство („Staat“ im reinsten Sinn) sei wirklich verletzlich. Wer die russische Debatte mitverfolgt, dürfte überrascht sein, wie wenig Aufmerksamkeit mögliche Bedrohungen aus dem Ausland oder gar einer Invasion genießen. Man erinnere sich nur an den Ruf der Russen im Krieg: „Wir können nochmal!“ (можем повторить!). Die größte Angst gilt der Möglichkeit, das Land könnte auseinanderbrechen. Die herrschende Elite, die sich in einer Partei namens „Vereintes Russland“ versammelt hat, stimmt Lobreden nicht auf den Fortschritt, sondern ausschließlich auf die Einheit an.

Das Hauptproblem des heutigen Russlands rührt aus einem prägenden Merkmal des russischen Imperiums her, nämlich aus seiner Haltung zu territorialer Ausdehnung. Russland musste sich immer ausdehnen, um sich selbst als erfolgreiche Nation zu sehen. Die bei Russen heute weit verbreiteten Einstellungen spiegeln dies recht genau wider: Josef Stalin, dem es gelang, einen Großteil der 1917 verlorenen imperialen Besitztümer zurückzuerobern und die Sowjetunion zur globalen Supermacht aufsteigen zu lassen, erhält das meiste Lob. Dagegen ist Michail Gorbatschow der unbeliebteste Staatsmann, den das Land jemals hatte: Zwar beendete er den Kalten Krieg und ­gewährte den Menschen die meisten der Freiheiten, die sie heute genießen, aber er stand auch dem Untergang der UdSSR vor.

Deswegen argumentieren wir, dass Russlands imperialer Charakter das Land in der heutigen Zeit unweigerlich zu einer revisionistischen Macht werden lässt, die alle Mittel einsetzt, um ihr Territorium zu vergrößern und weitere Satellitenstaaten um sich herum zu schaffen. Russland hat die separatistischen Bewegungen in den postsowjetischen Staaten vom ersten Tag ihres Bestehens an unterstützt. Die Strategie der „gesteuerten Instabilität“ wurde nicht erst 2014 im Donbass erfunden, sondern mindestens zwei Jahrzehnte zuvor. Insofern bleibt Russland nicht nur nach innen imperial, sondern auch nach außen – und das sollte sowohl seinen Nachbarn als auch anderen globalen Mächten größte Sorge bereiten. Solange Russlands Identität imperial bleibt, muss der Westen Wege finden, Seite an Seite mit einer besiegten Supermacht zu leben. Russland hat aufgehört, sich zu einem modernen Staat zu entwickeln. Das wird vermutlich auch in den kommenden Jahrzehnten so bleiben, da es in der überschaubaren Zukunft nicht möglich wird, den russischen Imperialismus an den Wurzeln zu packen.

aus: https://internationalepolitik.de/de/das-letzte-imperium vom 01.Jan.2019

Was hat das jetzt mit dem Krieg in der Ukraine zu tun?

NZZ vom 24.02.2022
Monitor vom 14.03.2022

Ich bin bei Weitem kein Freund der vergangenen US-amerikanischen Politik. Ich verurteile vieles, was europäische Politik und Wirtschaft in der Welt angerichtet haben und noch anrichten werden. Deshalb versuche und werde ich immer wieder in meinem sozialen Umfeld dies zum Thema machen. Zum Thema mache ich aber auch das erbärmliche Verhalten der Europäer sozial Benachteiligter, Flüchtlingen und Migranten gegenüber. Richtig ekstatisch kann ich beim Thema Klima und Umwelt werden, denn auch hier bestimmen Wirtschaft und Kapitalismus und nicht Wissenschaft und Notwendigkeit.

Ich schließe nun diesen langen Beitrag, der so gar nicht zu meinem Blog zu passen scheint, dessen Grundthematik mich aber bereits seit Jahren umtreibt: Ich sehe unsere demokratische Gesellschaft gefährdet. Bedroht von Kapitalismus, Neoliberalismus, Egoismus und Narzissmus. Dagegen werde ich immer sein. Dagegen werde ich immer sprechen. Dagegen werde ich – wie in diesem Fall – manches Mal auch schreiben.



© Robert Koschnick

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2 Replies to “UKRAINE: Imperialismus und die Folgen”

  1. pixxelformer sagt:

    Gut gebrüllt, Löwe. Schön dich zu kennen….bis bald….

    Gefällt 1 Person

  2. hgamma sagt:

    Die unteilbare Menschenwürde muss verteidigt werden.

    Gefällt 1 Person

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