Was ist denn das für einer … ?

Februar 2021

Bin im Rheindelta am Bodensee. Meinen Twizy habe ich geparkt und bin zu Fuß unterwegs. Zur Beobachtungsplattform in der Fussacher Bucht. Von dort aus ist es ein Leichtes die Vogelwelt zu beobachten. Auf dem Weg dorthin können aber bereits interessante Beobachtungen gemacht werden. Zuletzt meinte ich doch tatsächlich Graugänse durch meinen Feldstecher gesehen zu haben. Aber ich bin mir nicht sicher …. Jedenfalls waren es Gänse. Leider zu weit entfernt für Fotos.

Habe mein neues Objektiv dabei. Das 560mm f/5.6 von Pentax. Habe es recht günstig erhalten. Weit unter dem ausgeschriebenen Preis. Ich habe es gekauft mit dem Blick auf meine Zukunft. Eine Zukunft die ich für 2030 avisierte, die inzwischen jedoch deutlich näher rückte. Mehr dazu in einem anderen Blog Post.

Laufe schon etwa 10 Minuten, da sehe ich beim Schöpfwerk Fussach Punkte auf der Wiese dahinter. Die Gänse? Pirsche mich langsam an und suche hinter dem Schöpfwerk nach Deckung. Ich luge ums Eck und erkenne, dass es sich nicht um die Gänse handelt. Pfeifenten. Die hatte ich schon früher mal bestimmt und bin mir sicher. Ein ganzer Schwarm weidet gerade. Und noch etwas weiter weg erkenne ich große Brachvögel. Aha .. hier sind sie also … Hinter den Brachvögeln entdecke ich die besagten Gänse. Leider noch viel weiter weg und somit unerreichbar für mich.

Es ist dunkel. Der ISO ist jenseits der 16.000. Zu dumm. Ich warte noch etwas und versuche mich dann mit ein paar Fotos. Nichts für’s Fotoalbum. Auch nicht zum herzeigen. Wen es dennoch interessiert wie Pfeifenten aussehen – hier der altbekannte Link zu Wikipedia.

Komme bei der Plattform an. Bereits gut besucht. Will mich nicht dazwischendrängen. In dem Fall werde ich auf den Wegen bleiben und hoffen. Diesmal ohne verwertbare Fotos.

März 2021

Es ist ungewöhnlich Warm. Bin wieder bei der Plattform und beobachte das Geschehen vor mir. Der Bodenseepegel ist wieder normal. Das hilft. Die Vögel sind wieder etwas enger zusammen näher am Ufer. Anfang Februar war es besonders schwierig. Diesen Monat war ich schon fünf mal bei der Plattform. Fünf mal an der frischen Luft. Fünf mal mit schönen Beobachtungen und Erlebnissen. Zweimal mit brauchbaren Fotos. Das ist ein guter Schnitt.

Das mir inzwischen bekannte Singen der Brachvögel liegt in der Luft. Dazwischen wuseln deutlich kleinere Vögel durch den Schlick. Was sind denn das für welche … ?

Eine ältere Dame mit Fotoapparat tritt zu mir und schielt durch die geöffneten Klappen der Beobachtungswarte: „Kampfläufer“. Hmmm. Diese unscheinbaren, etwa Taubengroßen Vögel sollen Kampfläufer sein. Ne – bestimmt nicht! Nie im Leben.

Irrtum. Ich durchforste an diesem Abend das Internet und mein Vogelbestimmungsbuch. Tatsächlich. Kampfläufer. Der Name kommt nicht daher, weil diese so kriegerisch wären und alles bekämpfen, sondern vom Balzritual der Männchen. Diese halten Schaukämpfe in Balz-Arenen ab. Ha. Tatsache und nachzulesen bei Wikipedia: Kampfläufer (Calidris pugnax,[1]Syn.: Philomachus pugnax)

Wie schon beim großen Brachvogel war ich gefesselt von der Erscheinung, dem Verhalten und meinen Recherchen darüber. Die nächsten Wochen war fix eingeplant etwas mehr über diesen zu erfahren und bei viel Glück auch zu fotografieren.

Anfang April

Bitterkalter eisiger Wind peitscht mir Schnee in das Gesicht. Los bin ich bei Sonne wohlgemerkt. Ich mag es gar nicht, wenn meine Wetter-App recht hat und mich still und heimlich auslacht!

Die gesamte Plattform ist mit Schnee bedeckt. Auch ich befinde mich inzwischen unter einer Schneeschicht auf dem Boden liegend. Aber die Bilder sind es Wert. Absolut. Jetzt weiß ich …. s gibt’s nichts zu bereuen. Oder was meinst du .. ?



Verhalten im Naturschutzgebiet

Ich beachte natürlich die in einem Naturschutzgebiet geltenden Regeln. Die Hauptregel besagt:

das verlassen der Wege ist verboten.“

Wenn mein Zielobjekt weiter entfernt ist, als es Sinn macht ein Foto zu machen fällt es mir schwer. Ich bin versucht mich darüber hinweg zu setzen. Nein! Zwei, drei auch schon mal vier Schritte weg vom Weg. Das mache ich schon mal. Das wird auch von den Naturwächtern toleriert. Doch mehr habe ich mir selber auferlegt geht absolut nicht.

Speziell im Winter und Frühjahr sind die heikelsten Zeiten. Wenn zu diesen Zeiten Flora und Fauna zu stark gestört wird, dann führt das zu sterbenden Rehen, aufgelassenen Bruten, verscheuchten Tieren.

So schön es ist, dass wir hier in Vorarlberg in der Nähe von Ballungsräumen solche Kleinode haben, so schwierig ist es auch. Spaziergänger*innen (mit nicht angeleinten Hunden), Jogger*innen, Radfahrer*innen, Reiter*innen durchschneiden in immer kürzeren Intervallen diese Paradiese.

Alleine ganz früh morgens gibt es noch diesen Hauch von Unberührtheit. Bis die ersten Jogger*innen um kurz nach sechs Uhr die Wege entlanghetzen. Einige Tiere haben sich schon daran gewöhnt. Dennoch wird das Rehrudel unruhig. Stellt zum Teil auch das Fressen ein und ihr Körper ist bereits im Fluchtmodus. Erst wenn sie erkennen, dass der/die Joggende sich wieder entfernt beruhigen sie sich langsam.

Ich befinde mich ebenso in diesem Spannungsfeld, wenn ich fotografiere. Erst kürzlich trat eine Ricke keine zehn Meter von mir entfernt aus ihrer Deckung. Zunächst bemerkte ich sie nicht. Plötzlich ein Bellen und Schnauben. Sie hatte mich entdeckt und kurz darauf verschwindet sie schnell flüchtend. Mit ihr zusammen das gesamte Rehrudel. Deshalb achte ich darauf, dass ich diesen Tieren nicht zu Nahe komme. Deshalb achte ich darauf, dass ich mich möglichst unauffällig verhalte um nicht die Ursache für eine Flucht zu sein. Doch selbst dann kann ich es nicht ausschließen.

Daher gilt für mich, dass ich die Regeln der Naturschutzgebiete achte und auch den Raum den die einzelnen Tiere benötigen. In dem Bewusstsein, dass es mir ab und an einfach nicht gelingen kann, weil auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Und dieses Mindestmaß an Respekt und Achtung wünschte ich mir von allen Besuchern der heimischen Naturschutzgebiete.

Mehr Infos zum Naturschutzgebiet Rheindelta erhältst du hier:

3 Replies to “Was ist denn das für einer … ?”

  1. Werner sagt:

    Der Kampfläufer zählt in den Lippeauen, in deren Nähe ich beheimatet bin zu den Brutvögeln . So habe ich die Chance, diesen Vogel in seinem variantenreichen Prachtkleid zu beobachten. In der Zeit der Balz wird er seinem Namen gerecht , der sonst recht friedfertige Vogel geht keinem Streit aus dem Weg. Jetzt zeigt er sich auch mit dem aufgestellten Kopf und Nackenschmuck , besonders dann wenn es um rivalisierende Kämpfe geht. Oft zeigt sich dem Beobachter in dieser Zeit ein Federkleid , dass einem an der Bestimmung zweifel läßt . Ein und der gleich Vogel, zeigt sich in einem völlig unterschiedlichem Federkleid.
    Daher ist der Kampfläufer ein sehr interessanter Vogel.
    Viele Grüße Werner der Vogelknipser.

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    • Hallo Werner …. den Kampfläufer würde ich gerne mal im Prachtkleid in der Balzarena sehen und erleben. Hab ja schon Videos gesehen .. sehr eindrucksvoll … bei uns ziehen sie leider nur durch … und dass du bei deinem Alia „Vogelknipser“ da Bescheid weisst ist schon klar … 😉 schöne Grüße .. Robert

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      • Werner sagt:

        Ich habe halt das Glück, das ich ihn hier bei uns bis auf die Wintermonate ganzjährig beobachten kann. Ich beobachte diese Vögel sehr genau, weil es dabei um die Beringungen geht. Sie werden abgelesen und bei den Ringzentralen gemeldet. Ich kann so auch beobachten, was aus den Winterquatieren zurück kommt. Hier sind es überschaubare Bestände , auf Texel haben wir 350 und mehr Kampfläufer beobachten können. Die dortigen Salzwiesen sind ideale Brutplätze für Kampfläufer.
        Ja die Balz bzw die Revierkämpf, geben schon ein beindruckendes Bild ab, was nicht so häufig in der Vogelwelt zu beobachten ist.
        Viele Grüße Werner der Vogelknipser.

        Gefällt 1 Person

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